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Tatjana Prelevic - “Du bist in der Gnade”, Trio für Klarinette, Viola und Klavier: UA 4. Mai 2008, Musiksommer Obermain, Kloster Banz, Kaisersaal (Neue Presse Coburg)
...bricht nach der Pause, ihrerseits mit Sonnenschein und Vogelzwitschern aufwartend, die dunkle Seele der Nelly Sachs ein. Nicht nur nach deren Text, sondern ihn in eindringlichen Sequenzen aufgreifend, komponierte die 45-jährige Pianistin Tatjana Prelevic ein Werk, an dem niemand vorbeihören kann. Zerrissenheit und wütende Verzweiflung, an der alle Instrumente und Musiker gleichermaßen beteiligt werden, macht sich breit. Ausgiebige Passagen für Klavier, Mehrtönigkeit der Klarinette und eine pointierte Inszenierung der Bratsche genügen der Komponistin, die schon mit einem Werk für Nähmaschine und Gesang zu überraschen wusste, aber nicht – Textpassagen werden von den Musikern eingesprochen, geflüstert und gezischt, ein wilder Reigen von Lauten verblüfft das Publikum. Schwere Kost zunächst für das Ohr, das sich zuvor an die melodische Muse gewöhnt hatte; „Sekundenkörner in das Unerhörte“ prasseln unentwegt herab. Zuweilen ist es wie eine kindliche Neugier, die sich an den einzelnen Instrumenten versucht, um deren Klang und Wirkung zu testen. Nicht hoch genug ist dabei die Leistung der Musiker einzuschätzen, die Sprechen und Musizieren, Agieren und Kommunizieren fast gleichzeitig übernehmen müssen. „Der Himmel übt an Dir Zerbrechen“ ist der Titel nach der jüdischen Schriftstellerin Nelly Sachs, die selbst in Hoffnungslosigkeit und Verlorensein jene Zerrissenheit in Wort und Sprache einband, der Tatjana Prelevic Ton und Klang zu geben versucht. „Du bist in der Gnade“ schließt Nelly Sachs an, und findet so eine schier unmögliche Lösung für die eigene Existenz, eine eigentlich nicht mögliche Verwindung des Genozids an ihrem Volk. Auch Prelevic' Komposition findet zur Ruhe und bewahrt trotz ungewöhnlicher Ausbrüche dennoch die Form; harmonische Piano-Sequenzen versöhnen ebenso, wie die Poesie der gesprochenen Wörter. Das Finale aus zerrissenen Stimmen wirkt in endlosem Echo tief nach. Ein Flüstern, das beinahe fließend übergeht in das staunende Gemurmel mancher Zuhörer, die Zeugen einer höchst interessanten Uraufführung wurden...
Hans Huyssen - ”GAN meets Ursula” (2007): UA 27. Februar 2007, Internationales Klassikfestival Cape Classic 2007, Südafrika Universität Stellenbosch, Endler Hall
Martin Christoph Redel - “La solitude du pierrot” für Klarinette solo, op.48 (1996): UA 26. Januar 1998, Detmold
Rudolf Hild - Klarinettentrio: Städt. Galerie ADA, Meiningen, mit Solisten des Staatstheaters Meiningen
Rudolf Hild - Klarinettenquartett op. 94: UA 1998, Südthüringisches Staatstheater Meiningen
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